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Die deutsche Elite im Test... keep smiling ;-)

 

Manchmal lese ich meinem Mann auf längeren Autofahrten etwas vor. Das hilft gegen Monotonie auf Autobahnen, hält beide Gehirne wach und ist vor allem meist sehr viel interessanter als das Radioprogramm. Heute nun gab es einen Artikel aus XING, der sich auf den sogenannten „Elite Quality Index“ der Universität St. Gallen bezog. Wer Genaueres dazu wissen möchte, findet die Infos sachlich beschrieben hier (leaderdigital.ch).  Interessant war in diesem Zusammenhang aber gar nicht, auf welchem Platz von 151 Deutschland landete (um 4 Plätze aufgestiegen auf Platz 11), sondern die Art und Weise, wie in einem deutschen Business-Netzwerk darüber berichtet wird. 

 

Erstmal die Überschrift: 

„Internationales Schock-Ranking: Deutsche Eliten versagen in Krisenzeiten – und schöpfen Potenzial nicht aus“

 

Nun folgt ein Artikel, der boulevardesker nicht sein könnte. Tatsachen werden verdreht, Statistiken kreativ missdeutet und daraus dann ein Endzeit-Szenario für Deutschlands Wirtschaft gebastelt. Nach dem Motto „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ wird auf übelste Weise alles, wirklich alles negativ dargestellt. Negativ und falsch dargestellt, wohlgemerkt. In den XING-Kommentaren nahm zu meiner Überraschung niemand darauf Bezug und bemängelte diese Darstellung, sondern alle nutzten diesen Artikel, um mal richtig Dampf über „die da oben“ abzulassen. Fazit für mich: Das Problem sind oft eher die, die gar nicht wissen, dass sie selbst das Problem sind. 

 

Weshalb ich mich allerdings beim Lesen des Artikels vor allem aufregte, lag daran, dass alles schwarz-schwärzer-am schwärzesten beschrieben war. Das wird bei uns gerne gemacht, deshalb fällt es wohl vielen gar nicht mehr auf. Wir merken das privat schon, wenn wir mal holländische Nachrichten schauen. Da, wo bei uns wieder laut geseufzt wird, weil wir doch sooo schlecht sind und die Wirtschaftsprognose so mies, bekommen wir ehrliches Lob und Anerkennung von den Niederländern. Nach dem Motto: „Wow, die Deutschen haben das wieder total erfolgreich gestemmt!“. Auffällig ist, dass dort positiv formuliert wird - und das zeigt, wie wichtig es ist, welche Worte wir wählen. Ein paar Beispiele:

 

Warum schneidet Deutschland so schlecht ab? (Wieso schlecht? Zur Erinnerung: Platz 11 von 151)

Deutschland nur im Mittelfeld. ( Ähem..., siehe oben. Bei den obersten 20 stimmt das, da liegen wir mit 11 im Mittelfeld. Bei 151 liegt Deutschland innerhalb der oberen 10 Prozent).

 

Es werden Ausdrücke gewählt wie Deutschland-Debakel, Negativtrend, Anschluss verlieren etc., um nahezu zwanghaft Katastrophenstimmung zu verbreiten. Wie so oft übrigens, denn  es gibt auch viele Beispiele aus dem täglichen Leben:

 

  • Der Laden schließt um 18 Uhr.  Alternative: Der Laden hat bis 18 Uhr geöffnet.  

 

  • Wir haben mittags nur eine reduzierte Speisekarte.  Alternative: Sie können mittags zwischen drei Menüs wählen. 

 

  • Es bleibt kühl und ungemütlich.  Alternative: Es wird Frühling! Die Temperaturen steigen schon über die 10 Grad-Marke.

 

  • Morgen ist Ferienbeginn. Es wird mit kilometerlangen Staus gerechnet. 

       Alternative: Morgen beginnen endlich die Ferien. Um unbeschwert anzukommen, sollten Sie häufiger Pausen einlegen und        sich Zeit lassen. 

 

  • Die Meteorologen rechnen mit orkanartigen Stürmen, heftigen Unwettern, umstürzenden Bäumen und regionalen Überschwemmungen. 

        Alternative: Der morgige Tag bringt sehr stürmischen Wind mit Orkanböen und viel Regen. Wenn es geht, bleiben Sie zu             Hause und räumen Sie alle Dinge auf der Terrasse nach drinnen, die Sie noch behalten möchten. 

 

  • Das Umsatzziel von 5% wurde nicht erreicht. Alternative: Der Umsatz wurde auch in diesem Jahr gesteigert, nämlich um 4%!! 

 

  • “Buy one, get one free!“ gibt es in Deutschland als „Kauf drei, zahle zwei.“ Beim amerikanischen Ansatz bekommen wir etwas zusätzlich, in Deutschland müssen wir mehr kaufen und bekommen dann Rabatt. 

 

  • „Wie geht’s Dir?“ Antwort: „Ich kann nicht klagen.“ ... oder „geht so“. 

 

  • „Da gibt es nichts zu meckern“ statt „Gut gemacht“ oder „Das finde ich toll“.

 

  • „Das Betreten der Grünanlagen ist verboten!“ statt „Bitte bleiben Sie auf den Wegen“. 

 

Frans fand eine Vergleichsbewertung zwischen Golf 7 und Golf 8. Dort wurde kritisch angemerkt, dass der Golf 8 zwei Kubikzentimeter weniger Innenraum hat... das entspricht der Fingerkuppe unseres kleinen Fingers. Ist so etwas wirklich als Nachteil erwähnenswert? Ist es ein Nachteil? Oder wieder nur ein Haar in der Suppe? Es gab dafür einen Minuspunkt.

Die vielen Verbesserungen wurden geflissentlich verschwiegen. 

 

Wie wichtig ist es, positive Worte zu wählen! Es liest sich nämlich nicht nur anders, sondern es wirkt auch anders. Nämlich motivierend, oder eben nicht. Mir fällt immer häufiger auf, dass bei uns immer der Fokus auf den Mangel, das Versagen, den Fehler, oder das Negative gerichtet wird. Und auf Verbote. 

 

Warum machen wir das? Und warum ändern wir das nicht?   

 

Warum lassen wir zu, dass uns dauernd irgendetwas unter die Jacke gejubelt wird, was uns schwächt, demotiviert, unglücklich macht oder lähmt? Worte sind Energie, sie haben Kraft, in die positive genauso wie in die negative Richtung. Deshalb müssen wir sorgsam darauf achten, wie wir etwas sagen. Die Energie der Worte auf uns und unseren Körper kann man mit dem kinesiologischen Muskeltest übrigens hervorragend nachweisen. 

 

Wir sollten uns daher mehr loben, netter mit uns, mit anderen und über alles sprechen. Wir sollten unsere Erfolge feiern und sie deutlich benennen, statt sie kleinzureden. Wir sollten uns immer wieder ermutigen, motivieren und gut zureden, statt immer einen Makel zu finden und alles darauf anzulegen, uns niederzumachen. Allen ist viel mehr damit gedient, wenn wir die Dinge des Lebens positiv sehen, wenn wir uns freuen und mit uns und anderen gut umgehen, statt alles durch eine dunkle Brille zu betrachten.

 

Das ist keine Beschönigung und kein weltfremdes Gesülze. Es ist einfach eine andere Wahrnehmung, einfach von der anderen Seite auf das gleiche Ereignis geguckt. Wir haben immer die Wahl, etwas positiv zu sehen und zu benennen. Ja, es gibt Vorbilder, bei denen wir uns das abschauen können, und es gibt tausende Gelegenheiten, diese andere Sichtweise einzuüben. Der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass wir viel häufiger Gelegenheiten bekommen, uns zu freuen und weniger Trübsal zu blasen. Menschen, die ein „sonniges Gemüt“ haben, sind das Gegenteil der Erbsenzähler, Pessimisten, Nörgler und Motzer. Sie sagen anderen freundliche Dinge und sie haben verinnerlicht, dass man jede Situation positiv interpretieren kann, wenn man es denn möchte. 

 

Die Geschichte unseres Landes, die politischen und gesellschaftlichen Systeme, die rigide Erziehung mit „gehorchen und funktionieren“ ließen früher nicht viel sehr Platz für leichtherzige Lebensfreude. Lange Zeit wusste man auch nicht, dass wir alle immer eine Wahl haben, für welche Sichtweise wir uns entscheiden wollen. Das ist jetzt anders. Nicht nur die Zeiten wandeln sich, auch die eigenen Möglichkeiten werden mehr und mehr, wie zum Beispiel durch Bücher, Videos, geistige Lehrer und auch diesen Wochenbrief. Wir müssen nur zugreifen und uns für den sonnigen Weg entscheiden

 

Der Autor des oben genannten XING-Artikels hat das leider nicht gewusst. Wie schön ist es, wenn wir seinen Artikel einfach mal andersrum und damit in eine motivierende Botschaft formulieren? Dann haben wir mit den gleichen Zahlen und ohne Fälschung ein Ergebnis, über das wir uns freuen können: Ein stolzer 11. Platz, der zeigt, dass bei uns ganz vieles richtig gemacht wird. 

 

Wir können wählen, wie wir denken und sprechen.

 

Alles ist eine Frage der Sichtweise. Das ist ein guter Einstieg in eine lohnenswerte Angewohnheit, damit diese schon ganz bald zu unserer „richtigen“ Natur wird.